Bestrafte Tierquälerei

Der hünenhafte Holzschurger Klaus Kollerkeil aus Morschbel war ein roher Pferdeschinder und rüder Saufbold dazu. Nicht allein, daß er seine beiden Grauschimmel prügelte und auf grausame Weise mißhandelte, wenn sie mit den schweren Baumstämmen aus dem Hoch-pochtener Wald im steilen Martental, am Cochemer Berg, in der Ulmener Hohl oder im Brannt- weinrausch hängen blieben - er schlug auch seine eigene Frau im Branntweinrausch lange Jahre, bis diese es nicht mehr aushielt, die Kinder nahm und in ihr friedliches Elternhaus nach Jörgweiler zurückkehrte.
Seitdem hauste der finstere Fuhrmann allein im geräumigen Bauernhaus zu Moschbel. Von seinem ehemals reichen Viehbestand blieben ihm letztlich nur die zwei Gäule übrig, die er zum Holzschurgen in den weiten Eifelwälder benötigen. als der eine davon, eine braver Grauschimmel, später infolge der gemeinen Quälereien vorzeitig einging, tat Klaus Kollerkeil sich mit dem Fuhrmann sich mit dem Hein Schlotterfaß aus Gevenich zusammen, damit sie sich gegenseitig auf den steilen Bergstraßen Vorspann leisten konnten.

Greulich hatten die lästerlichen Flüche und rohen Schreie der beiden in den einsamen Wäldern und auf den stillen Landstraßen wider, wenn ihr geschundenen Zugtiere die schweren Holzlasten über den aufgeweichten Waldwegen nicht packten oder in den jähen Stichen der Heerstraße stecken blieben. Dann knallten und sausten die langen Geißelriemen der erbosten Schurger klatschend auf die mageren Rücken der durch Hunger und mangelnde Pflege entkräfteten Zugtiere nieder, daß diese in die Knie sackten und oft nur mehr mit brennendem Zunder oder durch ein flammendes Heubüschel auf die zitternden Beine zu bringen waren. In langen Nächten standen die armen Tiere draußen vor den Wirtshäusern am Straßenrand ohne Decken und Futter in Schnee und Regen, unterdes die lotterigen Schurger drinnen in der warmen Stube für den sauerverdienten Fuhrlohn scharfen Moseltrester tranken.

Die rechtschaffenen Bauersleute der Höhendörfer gingen den beiden Schindern aus dem Wege, wo immer sie nur konnten, denn sie empfanden aufrichtiges Mitleid mit den gequälten Pferden, die der christliche Bauersmann seit je nicht nur als seine treuen Gehilfen, sondern mehr noch als Geschöpfe des Herrgotts achtet und in Ehren hält. Selbst die Kinder fürchteten sich vor den bärtigen Fuhrmannsgestalten, die wie wilde Waldteufel ausschauten, wenn sich neben ihren langen Wagen mit den mächtigen Baumriesen polternd über die Dorfstraßen schockelten.

Der leibhaftige Teufel, den die Schurger so oft fluchend herbeigerufen, holte denn auch bald den jüngeren Hein Schlotterfaß; er fiel im Brannteweinsrausch nachts unweit der Napoleonsbrücke im steilen Martental vom Wagen, und dabei rollte ihm das Hinterrad über die Brust. Seit diesem grausigen Unglück aber wurde Klaus Kollerkeil nur noch unheimlicher und ergab sich völlig dem Trunke. Sein krackiger Grauschimmel magerte zusehends zur Schindmähre ab, die nur noch leichtere Holzlasten über die Eifelstraßen zu ziehen vermochte. Hätte nicht zuweilen dieser oder jener Wirt aus Mitleid dem armen Tier ein Minkel Hafer in den Maulsack geschüttet oder ein barmherziger Bauerjunge ihm einen Putschen Heu gereicht, wenn sein Herr drinnen in der Wirtstube dumpf hinter dem Schnapskännchen brütete, dann wäre der elende Faul längst eingegangen. so aber trieb der Schurger noch nahezu ein Jahrzehnt sein wüstes Wesen mit ihm auf den heimatlichen Landstraßen, um dann doch am Ende wie vordem sein Kumpan Schlotterfaß von einem schrecklichen Schicksal ereilt zu werden.

In der dunklen Neujahrsnacht 1674 saß Klaus Kollerkeil in der Lutzerather Fuhrmannsschenke "Zum Remmschuh", derweil draußen am Wagen sein klepperiger Apfelschimmel im Schneegestöber fror. Der Schurger hatte heute im nahen Üßwald mit viel Mühe einen Eichenstamm für die Probels-Mühle drunten im Tal der Wilden Endert geladen. Zwar mahnte der Lutzerather Dorfwirt vor Mitternacht den trunkenen Fuhrmann zum zeitigen Aufbruch, aber es ging doch schon auf den Morgen zu, ehe Klaus Kollerkeil torkelnd auf den Wagen kletterte, um auf der vereisten und zugeschneiten Heerstraße fährt davon, als ihm der Wirt von der Haustür aus besorgt nachblickte, denn es begann gerade wieder heftiger zu schneien, und es schien ihm, als falle in diesen stillen "Laustertagen" noch viel Schnee.

Am frühen Morgen mußten denn auch die Bauern der umliegenden Höhendörfer die Heerstraße für den Thurn und Taxischen Postwagen von gewaltigen Schneewehen freischaufeln. Als die Gillenbeurener Männer an den einsamen "Kolwerborn" kamen, stießen sie unvermittelt auf das nahezu völlig eingeschneite Fuhrwerk des Holzschurgers Kollerkeil. Der müde Gaul war offenbar im dunkeln Schneegestöber von der Heerstraße abgekommen und die steile Böschung heruntergestürzt. Er baumelte tot im Geschirr an der hochgeschnappten Wagenschere. Der Holzschurger war dann bei dem Sturz vom Stumpfende des Eichenstammes heruntergekollert, unter die strampelnden Hufe des in Todesnot ringenden Pferdes geraten und von der schweren Rammkette erfaßt worden, die seinen bärtigen Kopf glatt vom Rumpfe abgerissen hatte. Erschüttert hielten die Bauern vor dem grauenhaften Anblick ihre Mützen in den klammen Händen, als sie ein erstes Vaterunser für den toten beteten - um danach den kurfürstlichen Amtmann in Cochem zu benachrichtigen. Die Kunde von dem nächtlichen Gottesgericht am verlassenen Kolwerborn aber lief hurtig durch die eingeschneiten Höhendörfer und blieb darinnen lebendig bis auf den heutigen Tag.

In den heiligen zwölf Rauhnächten zwischen Weihnachten und Dreikönig sollen seither zur Geisterstunde die unglücklichen Holzschurger Kollerkeil und Schlotterfaß über die weite Waldrodung am Kolwerborn dahinrasen. Ihnen gesellt sich noch der Alfener Viehhändler Simon zu, der im Jährausch eine trächtige Kuh mit dem Leitstrick zu Tode strangulierte, als er diese nachts vom Ulmener Markt heimtreiben sollte. Hinter den drei verruchten Schinderseelen her jagen die gequälten Apfelschimmel - zwischen sich die erdrosselte Kuh - mit feurigen Augen und dampfenden Nüstern, wiehern und brüllen erzittert wie vom Knallen unzähliger Geißeln und Peitschen, daß den flüchtigen Angst über die Sturzäcker, fallen in die aufgebrochenen Furchen, rappeln sich wieder hoch und streben keuchend dem rettenden Walde zu, der von markerschütternden Angstschreien und gellendem Geheul schauerlich widerhallt.

Wer aber von den Höhenbauern in jenen Nächten am Kolwerborn den von ihren einstigen Opfern gehetzten Tierquälern begegnet, der eilt rasch weiter, erforscht ängstlich sein Gewissen nach jedem Schmiß und Striemen im glatten Fell seinen Haustiere und gelobt still im Herzen, diese künftig allezeit in gehöriger Liebe und Geduld als Geschöpfe Gottes zu achten, wie sich das für einen ordentlichen Bauersmann geziemt!



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