Der entweihte Bildstock

Umrahmt von einer immergrünen Hecke träumt mitten im stillen Pfarrhof zu Büchel auf schlanker Basaltsäule ein alter, verwitterter Bildstock mit der Steinfigur der heiligen Jungfrau Barbara, die einen mächtigen Turm im Arme trägt. Dieses ehrwürdige Heiligtum stand ursprünglich auf dem „Säuwasem" vor einem wildwüchsigen Weißdornstrauch links am Wege nach Alflen und bildete seit urdenklichen Zeiten die Umkehrstation der „Sieben Kreuze", zu denen die Jörgweiler Kinder beten gehen, wenn jemand aus dem dreiteiligen Dorfe im Sterben liegt. Der Bittgang wird von sieben Schulkinder ausgeführt. Betet man für eine Mannsperson, so sind es vier Knaben und drei Mädchen. Ist es aber eine Frauensperson, für die man bittet, so bestellt man vier Mädchen und drei Knaben. Die Kinder bekommen heute für den Gang jedes einen Groschen, in früheren Zeiten sollen sie kleine in Kreuzform gebackene Brote dafür erhalten haben.
Da das stimmungsvolle Bildstöcklein schließlich an seinem alten Standort gefährdet war – es zeigte bereits Beschädigungen – nahm es Pastor Steinmetz kurz vor dem ersten Weltkrieg in den Pfarrhof, wo es seither ein eindrucksvolles Wahrzeichen bildet. Zahlreiche Künstler, die im Bücheler Pfarrhaus zu Besuch weilten, hat das idyllische Bildwerk zum Malen angeregt.

Der rothaarige Hollenhag-Bauer, der nun schon längst unter den schattigen Linden auf dem Dorffriedhof ruht, wußte an langen Winterabenden folgende wahre Geschichte von dem St. Barbara-Bildstock zum Malen angeregt.

Als die „Neunhollen", jene guten Hauszwerge aus dem Hochpochtener Wald, noch allherbstlich ihre Winterwohnung im altersgrauen Hause des Pijup-Humer auf der „Lenn" in Jörgweiler bezogen, um darinnen bis zum Frühjahr zu bleiben, da blühten reichlich Glück und Wohlstand dort. Nach dem Tode des alten Pijup und seiner Frau Kathrin kam jedoch eine Schwiegertochter vom Maifeld ins Humer-Haus, die ein hartherziges und barsches Weib war Und dadurch die guten Neunhollen aus ihrem warmen Winterquartier vertrieb. Mit ihnen zogen dann Heil und Segen für immer von dannen. Zwar versuchte der junge Pijup-Humer durch Umsicht und Fleiß dem über das Haus hereinbrechenden Unheil mit Gewalt „Bucht zu halten" und die ärgsten Nöte abzuwenden, aber ein Unglück jagte das andere in Acker, Hof und Stall und mehr und mehr nagte der Wurm im zerbröckelnden Gebälk.

Da die junge Humer-Bäuerin einmal im zeitigen Frühjahr die Muttersau am „Parzenkreuz" vorbei nach Gevenich zum Eber trieb, brach plötzlich aus dem Eichenjungwald am „Schlafkümpel" an der Stelle, wo der meineidige Breitzähner sein nächtliches Unwesen treibt, ein wilder Keiler hervor und jagte die flüchtende Sau durch das Tannendickicht bis hinauf zum hohen „Hunsacker". Erst gegen Abend fing man in Gevenich das abgehetzte Tier wieder ein. Am Johannis-Abend warf die Sau zwölf gestreifte Ferkel, die wie Wildfrischlinge ausschauten. Drei davon gingen gleich nach der Geburt ein und die übrigen neun gebärdeten sich so wild und unbändig in dem baufälligen Stall, daß der Pijup-Humer sie von der Mutter trenne mußte. Als die ungebärdigen Jungtiere allein zu fressen begannen, zerstörten sie in ihren ausgelassenen Spielen und ständigen Gezank den hölzernen Futtertrog – und so oft der Bauer diesen auch flickte oder erneuerte, abends lagen nur mehr die Späne und Splitter davon im wüst durcheinander gewühlten „Scheid" umher. Pijup dachte in seiner Not an einen schweren festen Steintrog für die wilden Ferkel – und als er am frühen Morgen eine Fuhre Klee aus dem „Seitertflürchen" heim holte und am Säuwasem vorbeikam, da gewahrte er das von der Säule herabgestürzte Basaltgehäuse des alten St. Barbara-Bildstocks in der Weißdornhecke liegen. Er warf es in jähem Entschluß auf den Wagen und deckte Klee darüber, daß niemand den ehrwürdigen Stein sähe. Daheim schleppte er ihn in den Stall, um ihn als unzerbrechlichen „Kump" für seine wilde Zucht zu verwenden. Die Frau schüttete nun den Fraß für die Tiere in diesen seltsamen Steintrog. Als die Wildferkel das Futter in rascher Gier verschlungen, versuchten sie den steinernen Kump zu zerfetzen wie vordem im Stall; sie lagen lang dahingestreckt rund um den unversehrten Steinkump und der Frau war es plötzlich, als vernehme sie vor dem Stallfenster draußen das heimliche Gekicher der Neunhollen, die sie einst in Unverstand und Bosheit aus dem Hause vertrieben hatte. Noch zur selben Stunde brachte der entsetzte Pijup-Humer das entweihte Steingehäuse der hl. Barbara verstört auf den Säuwasen zurück und warf es wieder ungesehen in das Dornheckengestrüpp. Tags darauf ging auch noch das alte Mutterschwein ein und von nun an leuchtete überhaupt kein guter Stern mehr über dem einst so reichen Haus auf der Lenn. Den vergrämten Pijup-Humer packte bald das Grauen vor so viel Unheil und die Eheleute verzogen im Spätherbst in die Heimat der Frau aufs Maifeld. Dort sind sie später kinderlos und arm gestorben.

Das leerstehende einstige Neunhollenhaus in Jörgweiler zerfiel mit den Jahren völlig. Später erwarb dann das herrenlose Anwesen der junge Neumesbauer und erbaute ein Backhaus darauf. An stürmischen Herbstabenden heult der Wind um das starke Gebäude. Dann hört man zuweilen leise wimmernde Klagelaute aus dem Geäst des entlaubten Welschnußbaumes im Hofe, als suchten die vertriebenen Neunhollen immer noch zur Herbstzeit hier ihr altgewohntes Winterheim. Die Neumesbäuerin läßt wohl darum in den dunkeln Nächten um Allerseelen die Backhaustür weit offen stehen, damit die guten Hausgeister in ihrer Not Unterschlupf in der warmen Aschenkaul unter dem großen Backofen finden sollen.





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