Die Glocke im Sürchen

Vor dreihundert Jahren bestand der jetzige Pfarrort Büchel nur aus zwei kleinen Weilern. - Die langen eine Viertelstunde voneinander, durch einen Hügel getrennt, an dessen Hang aber auch schon einige Hütten standen. Friedsame Menschen lebten da, und auf daß sie jemanden hätten, der Kreuz und Krieg fernhalte, hatten sie schon früh ihre beiden Dörfchen nach zwei alten Soldatenheiligen Morschweiler und Georgweiler benannt. Jedem hatten sie ein Kirchlein gebaut. Deren blanke Turmspitzen grüßten einander friedlich-fröhlich über die Büchelflur hinüber.
Doch nicht mehr lange hielt dieser Friede an. Es kam eine Zeit voll Lärm und Leid. Das Glöcklein in Georgweiler läutete Sturm . . . auch für Morschweiler und das Nachbardorf Gevenich: denn die hatten beide noch keine Glocke. Prahlerisch und frech kamen die Soldaten, forderten Zehrung und Quartier, stahlen Hühner und Schafe. Die Bewohner beteten jeden Abend zum heiligen Moritz und dem andern Streiter, daß er auch diese Drachen bezwinge. Das half – die Weiler blieben von Mord und Brand verschont. Allerdings war der Krieg noch nicht zu Ende: hin und wieder mußten Korn und Fleisch nach der Stadt geliefert werden, einige kühne Burschen der Gegend waren sogar freiwillig zu den Soldaten gegangen.

Plötzlich im Herbst des Jahres 1630 erschienen allerlei böse Vorzeichen. Die Sternbilder am Abend sahen aus wie schrecklichen verzerrte Gesichter – und in Morschweiler vernahm der alte Lambert sonderbare Laute über dem Nebel in der Luft: es war wie das Wiehern von Pferden. – Da, im Frühjahr kam die Nachricht, die Schweden seien ins Land eingefallen, dies seien noch schlimmere Kerle als die Türken. Alles geriet in Schrecken. Aber es wurde noch ärger und der Verstand stand den guten Leuten still, als ein wandernder Handwerksbursche erzählte, ein schwedischer General habe auf einem Dorfe, drunter im Westfälischen, die Glocken aus dem Kirchturm geholt, daraus würden Kugeln gemacht – da wirbelten bald die Gedanken in den Köpfen durcheinander wie beim Dreschen die Kaf in der Scheuer. „Nein, nein!", sagten alle, „das Glöckchen dürfen sie uns nicht nehmen. Unser Vieh können wir in die Kaulen und Schluchten der Endertberge treiben, wenn die Räuber näher kommen: aber die Glock‘ muß man vorher gut verstecken. Nein sie kriegen die Glock‘ nicht, lieber hauen wir sie in Scherbeln!" So dachten und sprachen alle. Dem Schulzen Barthelmies aber, der in Georgweiler wohnte, wurde der Kopf schwer vom Denken. Die ganze Nacht tat er kein Auge zu, und am Morgen ging er ratlos zu seinem Nachbar Pijup hinüber. Der war ein gescheiter Mann und schlug vor, die Schöffen von Georgweiler, Morschweiler und die von Gevenich sollten am Abend heimlich drunter in die Wiese, wenig unterhalb der Stelle, wo die römische Stadt gestanden habe, zum Beratschlagen kommen. „Das," sagte er, „ist von einem Dorf wo weit wie vom andern, liegt versteckt im Walde und von jedem kann man durchs Wiesental dahinkommen, ohne daß die Leute uns sehen. Das muß alles ganz im Stillen gemacht werden mit der Glocke."

So geschah es auch. Beim Mondschein überlegten die Schöffen auf der Wiese lange und schwer. Endlich fand der Schöffe Pijup die Lösung. „Was hieltet ihr davon," fragte er, „wenn wir die Glocke hier nebenan im Sürchen begraben würden, ein paar Felder oberhalb der Wies, wo das saure Heu wächst? Das all den alten Eschen und den krummen Weidenstutzen werden sich die Schweden nicht verirren." Dem stimmten alle bei. Am nächsten Tage schon wurde das Glöckchen im Sürchen begraben. – Es kamen die Schweden, und es kamen andere, die hausten nicht minder schrecklich. Als sie endlich nach vielen Jahren abzogen, ließen sie Armut und wenige Menschen zurück, und denen guckte der Hunger aus den Augen die Schöffen sind in Leid und Elend gestorben.

Weit über en Jahrhundert lag so die Glocke im Sürchen und die Erinnerung daran war geschwunden. Denn in der Unruhe der Zeit und auch der Vorsicht halber hatten die Alten den Kindern wenig von dem verborgenen Glöcklein gesprochen. Nur von einer geheimen Beratung der Schöffen wußte man noch zu erzählen, und jene Stelle unterhalb der untergegangenen Stadt hieß noch immer die „Ratwies", - Sobald bessere Zeiten gekommen waren, hatten die Bewohner ihre Groschen zusammengetragen – und nun hing ein Glöckchen in Georgweiler und eins in Morschweiler. Sie waren beide in Müllenbach von demselben Meister gegossen und hatten denselben Klang. Dreimal jeden Tag bimmelten sie einander zu, wie fröhlich Kinder sich necken. Die am Hügel wohnten, hatten eigentlich am meisten davon, sie hörten an zwei Seiten ein Glöckelchen. Es war nun eine Lust zu leben und zu schaffen. Die böse Kriegszeit von dreißig Jahren war vergessen. Friedlich gingen wieder die Herden auf Drieschen und Feldern.

Die Säue hütete damals der Lehnen Kläs. Als er einst an milden Herbsttagen mit seiner Herde auf dem Höchst in den Stoppeln hielt, mußte er ein paarmal abends, wenn er heimfahren wollte, den Gemeindebier aus dem Sürchen herausholen. Der Bier hatte da eine große Kaul gewühlt, und der Säuhirt sagte sich, da müsse wohl etwas versteckt sein. Einige Jungen, denen er von der Sache erzählte, gruben nach und hoben nach kurzer Arbeit ein Glöckchen heraus. – Es wurde sauber gemacht und in den Turm der Georgweilerer Kirche gehängt. Das Kirchlein zu Morschweiler hätte die neue Last nicht mehr tragen können, es war schon recht baufällig geworden. Die Georgweilerer hatten nun zwei Glocken, und in der ganzen Gegend gab es kein schöneres Geläut. Viele Jahre hatten die beiden Weiler ihre Freude daran, bis auch der Turm zu Georgweiler baufällig ward. Da kam die Glocke aus dem Sürchen in die große Kirche des nahen Pfarrortes Alflen. Dort ist sie bis heute geblieben. – Die zwei Weiler waren inzwischen Fast zu einem großen Dorfe zusammengewachsen; jedes Jahr erstand ein neues Haus am Hang des Hügels. Obendrauf auf dem Büchel wurde später ein gemeinsames Gotteshaus gebaut und dem ganzen Ort der Name Büchel gegeben.



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