Die Rache des Apostels

In der Pfarrkirche auf dem hohen Büchel schauen von den vorspringenden Säulen zwischen Langschiff und Chor die lebensgroßen Holzstatuen der beiden Schutzpatronen des Dorfes, der Apostel Simon und Juda, die vor einigen Jahrhunderten fromme Künstlermönche des Klosters Himmerod in der Eifel schufen, mit ihren eindrucksvollen Häuptern zur Gläubigengemeinde im Kirchenschiff hingewandt. Ihre klugen Augen beherrschen so völlig den Innenraum des Gotteshauses. In den Händen tragen die Apostelheiligen groß und weithin sichtbar die Leidenswerkzeuge, mit denen sie auf ihren Missionsreisen im fernen Arabien und Persien zu Tode gemartert wurden: St. Simon eine scharfe Säge und St. Juda eine knorrige Holzkeule.
Bevor die neue geräumige Bücheler Pfarrkirche droben inmitten des Dorfes erbaut war, standen die altehrwürdigen Holzfiguren der beiden Apostel in dem feuchten, verfallenen Vikariekirchlein des Ortsteils Georgweiler oben auf der "Lenn". Eines Morgens kurz vor Weihnachten fehlte dort Judas Thaddäus der dicke Knüppel und von da an lehnte er über hundert Jahre lang an der mehr und mehr zerbröckelnden Chorwand ohne sein eindrucksvolles Leidenswerkzeug. Wie der alte Kirchenrechner Neumes-Reichert zu erzählen wußte, war das so gekommen:

Die Georgweiler Kirche hatte damals einen recht trägen und ungeduldigen Küster - Kirch-Bertes soll er geheißen haben - dem der Gottesdienst stets zu lange währte. Er beschloß daher bei sich heimlich, das seit Menschengedenken herkömmliche Vaterunser zu den Dorfschutzpatronen Simon und Judas am Schluß der Messen und Andachten stillschweigend ausfallen zu lassen. Nach der Abendandacht eines grauen Adventssonntages tat er es zum ersten Mal. Mit Ausnahme des hellhörigen Sühnschöffen Jörg war den andern ahnungslosen Kirchgängern der unfromme Betrug des faulen Küsters nicht aufgefallen. Der löschte daher heimlich erfreut über seinen wohlgelungenen Streich die Kerzen und tastete sich durch die dunkle Kirche heimwärts. Da mit einem mal entstand in dem verlassenen Kirchenschiff ein grauenhaftes Gepolter. Das rumpelte, bollerte und bumste, daß der gewissenlose Küster jäh erschrak. Im gleichen Atemzug aber sauste im hohen Bogen die schwere Keule des um sein Vaterunser betrogenen Judas Thaddäus auf den Rücken des zu Tode erschrockenen Kirch-Bertes nieder, daß er bleich und schlotterbeinig zum Portal hinauswankte. Als dann der so übel Geschlagene nach einer geraumen Weile immer noch schreckensbleich und vor Angst und Schmerzen zitternd in die Kirche zurücktaumelte, gewahrte er im flackernden Kerzenscheine allenthalben auf dem Boden die Splitter und Späne von dem Knüppel des heiligen umherliegen. Mit solcher Kraft und Wucht hatte der empörte Apostel ihn dem pflichtvergessenen Küster auf den Rücken geschleudert!

Seit jenem denkwürdigen Adventsabend trug St. Juda oben an der Kirchenwand mehr als hundert Jahre lang keinen Knüppel mehr. Seine gespreizte rechte Hand, die früher feste Keule umschlossen, griff nun gleichsam sinnlos ins Leere. Aber das altüberlieferte Vaterunser zu seinen und St. Simons Ehren wurde wieder in Büchel andächtig gebetet bis auf den heutigen Tag.

Als der hochselige Trierer Bischof Michael Felix Korum, der ein begeisterter Kunstfreund war, etwa ein Jahrhundert später anläßlich einer Firmungsreise in Büchel die eindrucksvollen Holzstatuen der beiden Apostel bewunderte, fiel ihm auf, daß St. Juda Thaddäus sein Leidenswerkzeug fehlte und er äußerte, nachdem er aus dem Munde der Kirchenschöffen die seltsame Sage des Verlustes vernommen, den dringenden Wunsch, der wackere Apostel möge doch rasch wieder zu seiner knorrigen Keule kommen. Ein kunstfertiger Holzbildhauer hat dann auch bald die Restauration mit gediegenem Können vorgenommen und hält der Bücheler Dorfheilige wieder sein Marterwerkzeug groß und fest in der Hand.

Soweit pflegte der weißhaarige Kirchenrechner die alte Heimatsage anschaulich zu erzählen. Er schloß dann lächelnd mit den warnenden Worten: "Und sollte wieder einmal ein lässiger und saumseliger Bücheler Küster den Versuch unternehmen, die verdienten Dorfpatrone um das ihnen rechtens gebührende Vaterunser am Schluß der Gottesdienste zu prellen, dann kommt die Reihe als Rächer an St. Simon mit seiner riesigen Säge!"



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