Keiner entrinnt dem Tod ..

Auf Beschluß der Jörgweiler Gemeindeschöffen kam der Waisenknabe Konrad Koltes nach seiner Entlassung aus der dörflichen Winterschule als Hütebub zum reichen Humerbauern Bärme in Morschbel. Der blasse, hochaufgeschossene Junge bewährte sich im Bärmeshof so vorzüglich, daß er vor der Zeit Kleinknecht wurde und bald darauf, als der alte Humerbauer auf einer Fahrt in den Moselkrampen jählings vom zuderhänder Ziehgaul erschlagen ward, machte ihn der gleichaltrige Hoferbe Barthel kurzerhand zum Großknecht. Der junge Bärmesbauer, der zu seinen eigenen Sorgen noch die des Zehntvogts der Winnenburger Hochgerichtsherren zu tragen hatte, tat damit einen glücklichen Griff, denn das Großknechtlein Konrad wurde rasch zu Seele des Hofbetriebes. Weit und breit auf der ausgedehnten Hochfläche zwischen Üß und Eltz gab es keinen Bauernknecht, der selbständiger und betulicher gewirtschaftet hätte, als der ehemalige arme Waisenknabe Konrad Koltes.
Mit 40 Jahren suchten der Bärmesbauer und sein Knecht, unter dessen tüchtiger Hand der Hof mehr und mehr zu Wohlstand und Reichtum erblühte, zusammen den kurfürstlichen Amtsschreiber in Cochem auf. Dort verschrieb der Bauer seinem Knecht den neun Tagewerke großen Acker in der "Grätschkaul!" nebst einer dreischurigen Grummetwiese an der Brühlbrücke als Erblehen. Daraufhin gewährte der Winnenburger Graf auf Ansuchen der Gemeinde Jörgweiler dem Beisassen Konrad Sitz und Stimme im Alflener Jahresthing, und kein Bürger des Hochgerichtsbanns erhob Einspruch dagegen, obschon der losledige Knecht weder "eigenes herdfeuer noch flamme schürte".

Der geachtete Großknecht Konrad Koltes vom Bärmeshof in Morschbel hätte nun getrost als Freiersmann in jenem Bauernhaus des weiten Kirchspiels anklopfen können, ohne von Maid oder Magd abgewiesen zu werden. Aber er dachte nicht daran. Seine Kraft und Liebe gehörten ungeteilt dem Bärmeshof, der dem Waisen längst Vaterhaus und hegende Heimat geworden war. Als im zeitigen Frühjahr die heimkehrenden Hakengänse hoch aus der Luft mit schrillem Schrei zur Hafersaat mahnten, ackerten der Bärmesbauer und sein Knecht im "Finkenseifen" drunten, wo der ausgefahrene Mühlweg zur Wilden Endert herunterführt. Schnurgerade zog Konrad die dampfenden Furchen, indes hinter ihm sein Herr die wintermürben Schollen mit der Egge brach, um die junge Saat ins müllwarme Bett zu senken.

Die Anwand stieß auf ein wildes Feldgehölz, das sich mit Schwarzdornhecken, Ginsterbüschen, Wacholderstauden und verkrüppelten Hainbuchen über den Hügelrücken zum Allmendegewann am "Mareinchen" hinzog. Der alte Fuchswallach wendete dort ohne Zuruf, und der Knecht steipte hier nach jeder Kehre die Pflugschar tief in den verqueckten Ackerrain.

Gerade als der Bärmesbauer die Zugochsen and der Egge zur Idderichpause halten ließ, vernahm er drüben von der Anwand einen jähen Schrei. Und dann rannte der Knecht Konrad quer über die Ackerfurchen zu ihm her und schrie völlig verstört und außer Atem: "Barthel, eben als ich am Geheck den Pflug wenden wollte, schaute aus dem Schlehdornbusch der leibhaftige Tod - der Knochenmann mit seiner scharfen Sense. Aus dem kahlen Geäst lugte das klappernde Gerippe hervor und winkte mir mit seiner dürren Hand, just genau so, wie auf dem rauchgeschwärzten Bild an unserer Stubenwand daheim. Sicherlich kam er, um mich zu holen. Aber, bei Gott, es ist noch zu früh - erst muß der Hoferbe erwachsen sein, auf daß er uns den Pflug aus unseren zittrigen Händen nehme. Leihe mir die feurige Schimmelstute daheim im Stall, die rascher läuft als der Gevenicher Winterwind. Ich werde dem Tod entfliehen zu meinem Zwillingsbruder, dem ehrwürdigen Bruder Kellermeister im Kloster Maria-Laach drüben auf dem reichen Maifeld. Der wird mich im tiefen dunklen Klosterkeller "unnern", daß der Sensenmann mich nimmer findet - heuer noch nicht. Vor Mondaufgang kann ich dort sein!"

Noch bevor der erschrockene Bauer Gewährung genickt, lief der todblasse Knecht mit langen Schritten über den Hügelrücken dem Dorfe zu. Und bald hörte der Bärmesbauer klappernden Hufschlag von der stillen Heerstraße drunten im Martental.

Sinnend stapfte der Bauer zum einsam zurückgelassenen Fuchswallach am umgestürzten Pflug an der Anwand. Er fürchtete den Tod nicht, denn er hatte ihm damals vor nahezu 20 Jahren bei der Belagerung Cochems durch Schweden, Franzosen und Kroaten hundertmal furchtlos ins hohle Auge geschaut. Als er suchend in die Hecken blickte, gewahrte er denn auch zwischen den dornigen Zweigen das bleiche Knochengerippe und redete es barsch an: "Warum erschreckst und bedrohst du meine Leute mitten im Tagewerk?"

Tief verneigte sich der Sensenmann vor dem furchtlosen Bärmesbauern und flötete heiser: "Ich bedrohte deinen Knecht keineswegs - ich erschrak nur heftig, als ich ihn hier so unbesorgt den Pflug schwenken sah - und vermochte dabei wohl eine Geste der Verwunderung nicht unterdrücken. Denn heute früh, da der Herrgott, unser aller Gebieter, mir, seinem getreuesten Knecht, den Tagesplan einteilte, da gebot er, deinen Großknecht Konrad Koltes kurz nach dem abendlichen Mondaufgang bei den Kuttenträgern im Laacher Klosterkeller abzuholen. Darum wunderte ich mich, daß ich ihn am hellen Vormittag hier antraf, noch so weit von der Abtei der Söhne Benediks entfernt."

Da neigte auch der Bärmesbauer sich ehrfürchtig und tief vor dem unsichtbaren Allvater, dem Herrn und Gebieter über Leben und Tod. Er schaute lange sinnend in den ergrünenden Dornbusch und meinte, seinem Ackerpferd zugewandt: "Da flieht nun ein armes Menschenkind - mein treuer Großknecht Konrad Koltes - auf dem schnellsten Roß seinem Schicksal davon - um ihm geradewegs entgegenzueilen!"

In der Dornenhecke an der Anwand aber ließ der Bärmesbauer für seinen toten Knecht ein Basaltkreuz setzen, in das der Mayener Steinmetz Sense und Stundenglas tief einritzte. Seither geht man in den Höhendörfern zu diesem vermoosten Gedenkstein heimlich beten, wenn dahin auf dem Strohlager ein Schwerkranker hoffnungslos leidet und nicht zu sterben vermag, damit ihn Gevatter Tod als Freund sanft von seinen Qualen erlöse!



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