Wie ein Hammeldieb gebannt wurde

Der alte Schäfer-Reichert in Büchel konnte nach Meinung der Leute "mehr als Brot essen". Er heilte krankes Vieh, renkte gebrochene Glieder ein, stillte das Blut und besprach schwärende Wunden. Seinen unbestrittenen Ruhm auf der Lutzerather Höhe und weit darüber hinaus aber krönte er mit einer Tat, die heute noch im Eifelland in aller Munde ist.
In der Woche vor der Bücheler Kirmes zu St. Simon und Juda Ende Oktober hatte der Schäfer seine Herde am "Hamerschatten" eingepfercht, wo der Dinkel-Bauer einen Kleeacker "gestiefelt" haben wollte. Meist schlief der Hirte nachts draußen bei seiner Herde auf dem Laubsack im Schäferkarren. In jener Nacht vor dem Wendelstag aber wurde er zu einer kalbenden Kuh nach Jörgweiler gerufen und überließ daher die Schafe dem Schutz seines in langen Jahren bewährten Hundes. Als er am frühen Vormittag zur Herde zurückkehrte, lag der treue "Bingo" erschlagen vor dem Holzpferch - und dann mußte er enttäuscht feststellen, daß in seiner Abwesenheit der beste Hammel aus der Herde gestohlen worden war. Er hatte das feiste Tier zu seinem eigenen Kirmesbraten erkoren - nun war es in Diebeshände gefallen.

Als der Schäfer-Reichert seinem Zorn mit einem herzhaften Fluch Luft gemacht, kamen dadurch aufmerksam gewordene Bauern, die in den umliegenden Flurgewannen Korn säten, neugierig herbei, um zu hören, was bei der Herde denn schon in aller Morgenfrühe los sei. Da schien dem greisen Hirten seine Stunde gekommen. Er schritt zu einem Pfluggespann in der Nähe, schirrte in aller Ruhe die Fuhrkühe aus den Sielen, bockte den Vorderpflug auf die Pflugschlitten hoch und schob seine Schäferschippe zwischen die Speichen des vonderhander Pflugrades. Dann begann er das Rad langsam zu drehen, hielt zwischendurch eine Weile inne und schleuderte das kreischende Rad nach jeder Rast schneller rund. Dazu sang er mit monotoner Stimme:

"Surre, surre Rad und Wind -
Treib den Hammeldieb geschwind!"


Die Bauer schauten dem Schäfer fassungslos zu, der junge Kolmes-Kasper zwinkerte gar schalkhaft mit den Augen und lächelte verlegen über das sonderbare tun des alten Hirten. Da - was war das? - droben vom Kamm des Kreuzweges her vernahmen sie ein gellendes Geschrei - und dann sahen sie einen Mann daherrennen, der stolpernd hintersich am Strick ein Schaf zerrte. "Halt ein - halt ein!", brüllte er aus Liebeskräften, als der Schäfer das Pflugrad wieder surren ließ. Und dann - wer hätte das gedacht - erkannten sie in dem außer Atem keuchenden Mann erstaunt einen jungen Steinbrecher aus Morschweiler, den losledigen Bolzen-Klaus, der zwar auf allen Kirchmessen zwischen Endert und Üßbach ein rechter Sausewind war, aber doch bisher als unbescholten galt. Der entlarvte Dieb gestand heulend seinen nächtlichen Einbruch und Raub im Schafpferch ein; er habe den Hammel heimlich verkaufen wollen, um sich das fehlende Kirmesgeld zu beschaffen.

Der Hirt schaute den kläglich zitternden Jungen, der vor Schande und Scham zu versinken drohte, durchdringenden Blickes an, zog dann die Schäferschippe aus den Radspeichen und schlug sie dem Dieb ein paarmal ingrimmig über den langen Leib, daß dieser zu Boden taumelte und die Bauern dazwischen treten mußten, um weiteres Unheil zu verhüten. Der Schäfer befahl dem Dieb den Hammel zurück zur Herde zu bringen. Danach sprach er ihn ernst und eindringlich an: "Die Strafe mag genügen - für den toten Hund wachst du mit mir über die Kirmestage bei der Herde - bis ich einen neuen vierbeinigen Wächter gefunden. Laß dir dies beschämende Erlebnis als Lehre dienen - dann verlasse die Heimat - ich hoffe sehr, daß du draußen in der Welt trotz oder gerade wegen einer Jugendtorheit ein anständiger Kerl wirst. Es täte mir leid um deine verstorbenen ehrlichen Eltern!"

Der Bolzen-Klaus verschwand schon kurz nach Allerheiligen für immer aus dem Dorf. Im "Niederland" soll er später ein rechtschaffender Bergmann geworden sein, der es zu bescheidenem Wohlstand brachte. Kein Mensch ahnte jemals, warum er über dem Türsturz seines Wohnhauses das in Stein gehauene Bild eines Schafes anbringen ließ.



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