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Die Entwicklung
Die Notwendigkeit der Konzeption eines Flugzeuges, wie des TORNADOS, befindet sich in der 1967 in Kraft getretenen NATO-Doktrin der "Flexibl Response" wieder. Bis dain sollte ein möglicher massiver Angriff durch Truppen des Warschauer Paktes auf Zentren, wie z.B. das Ruhrgebiet oder de Ärmelkanalküste, durch intensive Feuerunterstützung , einschließlich des Einsatzes taktischer, nuklearer Waffen solange hingehalten werden, bis die Verstärkung aus Übersee sowie die im Rückraum befindlichen NATO-Streitkräfte eingetroffen sind. Seitdem aber die ehemalige UDSSR über gleichwertige Kernwaffen verfügte, wurde der Schwerpunkt wieder auf die konventionelle Feuerkraft verlagert.
Die Nutzung dieser Feuerkraft erforderte wechselnde Schwerpunktbildung und schnelle Reaktion.
Diese Forderung kann nur ein fliegendes Waffensystem erfüllen.
Folgende Anforderungen wurden dabei an dieses Flugzeug gestellt:
- die Fähigkeit, konventionelle Munition bei jedem Wetter, bei Nacht und schlechter Sicht mit sehr hoher Treffgenauigkeit ins Ziel zu bringen
- Herabsetzung der Verwundbarkeit und Optimierung der Einsatzhäufigkeit (durch Optimierung des Tiefstfluges bei sehr hoher Geschwindigkeit sowie der Fertigkeit zum automatischen Geländefolgeflug)
- Überlebensfähigkeit am Boden (Operationen auch von Behelfs- und Reststartbahnen, minimale Rollstrecken, Bodengeräteunabhängigkeit)
- hohe Einsatzflexibilität, schnelle Austauschbarkeit von Waffen und Kraftstoffzuladung
- Mehrzweck-Eignung: hohe Flugdauer, hervorragende Flugeigenschaften (Langsam- und Schnellflug), hohe Steigflugwerte
- hohe Einsatzbereitschaft: kurze Bodenzeiten, Unabhängig von externem Gerät, hoher Nutzungsgrad
- Reduzierung des Materialerhaltungsaufwandes (u.a. durch gute Wartbarkeit und gute Kostenwirksamkeit)
Nachdem man im Juli 1968 mit einer Durchführbarkeitsstudie begonnen hatte, wurde bereits im
März 1969 die PANAVIA AIRCRAFT GmbH gegründet. An ihr sind die Aeritalia (AIT) mit 15%,
British Aerospace (BAe) mit 42,5% beteiligt. Ursprünglich hatten Italien, Großbritannien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und Kanada gemeinsam beschlossen, ein Mehrzweckkampfflugzeug zu entwickeln. Belgien, die Niederlande und Kanada zogen sich aus Kostengründen wieder von dem Projekt zurück.
Die Entwicklung des MRCA (Multi Role Combat Aircraft), so der Name des Entwicklungsprojektes, ging trotz vieler Probleme und Schwierigkeiten, die es zu lösen gab, gut voran, und bereits m November 1970 begann man mit der Prototypenfertigung. Weitere Meilensteine waren der Erstflug des Prototyps 01 am 14.08.1974 in Maching, die Freigabe der Serienfertigung im Juli 1976 sowie der Beginn der Endmontage von Serien-TORNADOS im September 1978.
Mit Beginn der Serienfertigung ging man von folgenden Stückzahlen aus:
9 Prototypen
6 Vorserienflugzeuge
911 Serienflugzeuge___
926 Flugzeuge insgesamt
Hiervon wurden 245 Flugzeuge an die Luftwaffe und 112 Flugzeuge an die Marine ausgeliefert. Mit dem Kontingent für Saudi Arabien wurden inzwischen nahezu 1.000 Flugzeuge gefertigt, wovon 973 ausgeliefert wurden.
Gemäß einer internationalen Arbeitsteilung sind die Partnerfirmen für Entwicklung und Fertigung aller Bauteile, die Endmontage der Flugzeuge für die nationalen Streitkräfte sowie die technisch-logistische Betreuung während der Nutzungsphase zuständig:
AIT liefert die Tragflächen, BAe Rumpfbug und –heck und MBB das Rumpfmittelteil für sämtliche TORNADOS. In internationaler Cooperation entstehen auch das Triebwerk RB 199 (FIAT, MTU, Rolls-Royce), die Avionik sowie die Ausrüstungskomponenten. Insgesamt sind ca. 500 Firmen mit zusammen über 10.000 Mitarbeitern am TORNADO-Programm beteiligt.
Der TORNADO stellt mit Abstand das teuerste Waffensystem dar, das bis heute von der Bundeswehr beschafft wurde.
Aufgaben
Bei der deutschen Luftwaffe ist das Waffensystem für folgende Einsatzaufgaben vorgesehen:
- Kampf gegen feindliche Luftstreitkräfte am Boden
- Bekämpfung feindlicher Streitkräfte durch Abriegelung in der Tiefe
- Taktische in die Tiefe gerichtete Aufklärung
- Unterdrückung der feindlichen bodengestützen Luftverteidigung und Bekämpfung von Führungszentren
Für die ersten drei Aufgaben ist der TORNADO in der Version Interdiction/Strike (IDS) vorgesehen, den vierten Bereich soll die Spezialversion Elektronic Combat Reconnaissance (ECR) abdecken.
Von Marinefliegern der Bundesrepublik wird das Waffensystem eingesetzt zur:
- Aufklärung von See- und Küstenzielen
- Bekämpfung von See- und Küstenzielen
- Begleitschutz einschließlich ECM (elektronische Gegenmaßnahmen)
Der TORNADO kann nicht nur bei schlechtem Wetter fliegen, er ist auch in der Lage bei widrigsten äußeren Bedingungen, sogar bei Nacht und schlechter Sicht, Ziele, wie z.B. Eisenbahnknotenpunkte, Gefechtsstände, Brücken, Depots, Aufmarschgebiete und Startbahnen der gegnerischen Luftwaffe mit äußerster Präzision zu vernichten.
Die verschiedenen Aufgabenbereiche, in denen der TORNADO mit der Mehrzweckwaffe MW 1 und dem Kormoran II zwei Waffen zur Verfügung, die speziell für den TORNADO entwickelt wurden.
Die Forderung nach Steigerung der Überlebensfähigkeit macht die Einführung der Modularen Abstandswaffe (MAW) APACHE erforderlich. Zur Zeit läuft die Entwicklung des Lenkflugkörpers
APACHE zur Bekämpfung von Flugplätzen.
Mit dem Aufklärungsbehälter (RECCE-Pod) wird die optische Aufklärung durchgeführt. Zur Bekämpfung von Radarstellungen verfügt der TORNADO über den Lenkflugkörper HARM (High Speed Antiradition Missile).
Die tecnische Realisierung
Der TORNADO ist das erste Flugzeug, das von Grund auf nach militärischen Forderungen entwickelt wurde. Durch welche Technik diese Forderungen erfüllt wurden, wird im folgenden dargestellt:
Die Allwetterkampffähigkeit wurde durch den Einsatz aufwendiger Elektronik, wie dem Terrain-Following-System (Geländefolgeflugsystem) oder der bodenunabhängigen Navigation erreicht.
- Tiefflug bei hoher Geschwindigkeit
Die Fähigkeit zum Testflug bei sehr hohen Geschwindigkeiten erhält der TORNADO einmal durch die Schwenkflügelgeometrie, die Leistung der Triebwerke RB 199, das Flugsteuerungssystem und die Pendelhöhenruder (Tailerons).
- Kurzstart- und Landefähigkeit
Die Kurzstartfähigkeit wird durch die Schwenkflügel und umfangreichen Hochauftriebshilfen erreicht. Die Kurzlandefähigkeit beruht wiederum auf dem Schwenkflügelsystem, den Radbremsen, Spoilern, dem Fanghaken und dem Schubumkehrsystem.
Zur Reichweitenerhöhung kann der TORNADO in der Luft betankt werden. Die Kraftstoffübernahme kann sowohl von einem anderen TORNADO (Buddy-Buddy-Betankung), als auch von einem Großtanker erfolgen.
- Hohe Zuladung von Munition und Kraftstoff mit schneller Austauschbarkeit
An der Rumpfunterseite befinden sich drei Waffenstationen, dazu an den Flügen zwei Inbordstationen für Zusatztanks und Bewaffnung und je zwei Stationen Outbord für ELOKA-Behälter. Zusätzlich können an den Inbordträgern noch Sidewinder-Flugkörper zur Selbstverteidigung mitgeführt werden.
Als Bordkanonen stehen außerdem noch zwei 27-mm-Mauser-Bordkanonen mit je 180 Schuß zur Verfügung. Der Buddy-Buddy-Pod kann als weiterer Zusatztank mitgeführt werden und dient auch der Luftbetankung von TORNADOS untereinander.
Ein weiterer Vorteil des TORNADOS liegt in der Unabhängigkeit von Bodengeräten. Diese ist durch die Hilfsturbine (APU) mit Geräteträgern (SPS-System) gegeben. APU wird zum Anlassen der Triebwerke und über SPS zu Funktionsprüfungen, z.B. der Avionik oder der Hydraulik, benötigt.
Nahezu 45% der Außenhaut besteht aus Klappen (insgesamt 400 Klappen), die den Zugang zu allen wichtigen Komponenten darstellen. Der TORNADO ist mit automatischem Prüfsystem (BITE) ausgerüstet. Das System ist auf LRU-Basis aufgebaut (Line Replaceable Units).
(Nutzlast/Reichweitenverhältnis; gute Flugeigenschaften bei allen Geschwinigkeiten; gute Manövrierfähigkeit).
Die Mehrzweck-Eignung des TORNADOS beruht auf der Anwendung neuester Technologien. Hierzu zählen n erster Linie die Schwenkflügel mit Hochauftriegbshilfen (Flaps/Slats), die zwei Triebwerke neue´ster Bauart (RB 199), das Flugsteuerungssystem (Fly by wire) und die gesamte Avionik (TV-System, Navigation, Radar).
Allgemein
Die wesentlichen technischen Aspekte des Flugzeuges stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Schwenkflügelkonfiguration des Flugzeuges und seiner primären Tiefstflugeinsatzaufgabe. Dieses sind die Konsequenzen aus den Leistungsanforderungen, die an das Flugzeug gestellt wurden.
Systeme
Das Hauptflugsteuerungssystem stützt sich auf ein Pendelhöhenruder, ein konventioneles Seitenruder und Spoiler an den Tragflächen. Für die Nick- und Rollbewegungen werden die beiden Hälften des Pendelhöhenruders gleichzeitig bzw. diferetiell ausgeschlagen, während die Spoiler bis zu einer Flügelstellung von 50 Grad die Rollsteuerung unterstützen und nach dem Aufsetzen als Auftriebsvernichter wirken. In allen drei Hauptsteuerachsen sorgt ein Kraftverstärkersystem, in Verbindung mit einem automatischen Steuer- und Stabilisierungssystem für optimale Steuereigenschaften. Das Sekundärflugsteuerungssystem wirkt auf die mechanisch betätigten und hydraulisch kraftverstärkten Stellglieder des Flügelschwenkmechanismus sowie der Landeklappen, Vorflügel und Luftbremsen. Zu den Hochauftriebshilfen am Tragwerk gehören die Vorflügel und Landeklappen, die bei mittleren Pfeilstellungen auch die Manövrierfähigkeit des Flugzeuges verbessern.
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